Sind Papiertüten besser als Plastiktüten: Das solltest du wissen

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Autor: Pascal Harting

Seit Anfang 2022 dürfen in Supermärkten keine Plastiktüten mehr verkauft werden, die eine Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometern aufweisen. Doch sind Papiertüten besser als Plastiktüten? Von diesem Gesetz ausgenommen sind dünne Plastiktüten, die für den Transport von Gemüse- und Obstsorten zum Einsatz kommen und Plastiktüten, die 50 oder sogar mehr Mikrometer Wandstärke besitzen.

Aufgrund der Umweltbelastung greifen viele Verbraucher zu Einweg-Papiertüten. Sind Papiertüten besser für die Umwelt als die Variante in Plastik? Mit dieser Frage wollen wir uns in diesem Artikel genauer beschäftigen.

Sind Papiertüten besser als Plastiktüten?

Wird der Energie- und Ressourcenverbrauch von Papiertüten näher unter die Lupe genommen, erweist sich Papier meist als weniger ökologisch als Kunststoff.

Kunststoff ist aufgrund seiner Materialbeschaffenheit sehr reißfest, wodurch auch schwere Gegenstände transportiert werden können. Papier hingegen kann nur eine bestimmte Last aushalten.

Damit die gleiche Stabilität gewährleistet werden kann, muss das Material dementsprechend gestärkt werden. Um die gleiche Stabilität wie Kunststoff zu erzeugen, müssen in der Produktion mindestens dreimal so viele Materialien eingesetzt werden.

Erschwerend hinzu kommt, dass die ganze Produktion von Papiertüten mit einem sehr hohen Energie- und Wasserverbrauch verbunden ist. Die Umwelt wird durch den Einsatz von Zellstofffasern Chemikalien zusätzlich belastet.

Warum ist Plastik überhaupt schlecht für die Umwelt?

sind papiertueten besser als plastiktueten

Plastik ist in Hülle und Fülle in unserer Konsumgesellschaft vorhanden: Kinderspielzeug besteht zum größten Teil aus Plastik und auch unser täglicher Einkauf kommt nicht um dieses Material herum. Kaum eine andere Substanz ist in der Lage, Nahrungsmittel wie beispielsweise Wurst und Käse länger frisch zu halten.

Die Produktion von Kunststoff ist im Verlauf der letzten Jahre erheblich angestiegen. In den 50er-Jahren betrug diese circa 1,5 Millionen Tonnen Plastik, heute werden jährlich fast 400 Millionen Tonnen produziert.

Von diesen Unmengen an Kunststoff landet eine nicht geringer Anteil im Meer und macht insgesamt 75 Prozent der Müllberge in den Ozeanen aus. Jedes Jahr verenden bis zu 135.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel an dem Plastikmüll. Einige der Tiere sterben bei vollem Magen, weil sie die herum schwimmenden Plastikteile für Nahrung halten und die Materialien den Verdauungsapparat blockieren. Andere wiederum verfangen sich in den Materialien und tragen schwere Verletzungen davon, bei dem Versuch, sich von den Plastikteilen zu befreien.

Die Transportkosten im Vergleich

Laster vor Münzen Symbol für Transportkosten

Durch den Einsatz von Papierverpackungen erhöhen sich meisten die Transportkosten und damit auch die Schadstoffemissionen. Dieser Umstand liegt daran, dass Papiertüten ein höheres Eigengewicht besitzen müssen, um dieselbe Tragkraft wie Plastiktüten zu gewährleisten. Das wirkt sich negativ auf die Transportkosten aus, da mehr Energie beim Transport verbraucht wird.

Hinzu kommt die Platzersparnis in Fahrzeugen. Plastiktüten können dicht aneinander oder übereinander verstaut werden und nehmen deutlich weniger Platz in Anspruch. Anders sieht es bei Papiertüten aus, die mehr Platz einfordern. Laut einer Untersuchung des ifeu-Instituts greift der Fokus auf die Kunststoffvermeidung ökologisch zu kurz, da alternative Materialien bei Herstellung, Transport und Entsorgung deutlich umweltbelastender sein können.

Die Nutzungsdauer beider Varianten im Vergleich

Papiertüte vor Tafel

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist die Nutzungsdauer, wodurch die Öko-Bilanz maßgeblich beeinflusst wird.

Eine Tüte aus Kunststoff erweist sich als besonders widerstandsfähig gegen  Witterungseinflüsse sowie mechanische Einflüsse.

Bei der Papiertüte sieht das Ganze etwas anders aus: Denn die Stabilität geht mit Witterungseinflüssen oder durch den Kontakt mit Flüssigkeiten unmittelbar verloren. Die Konsequenz: Eine Papiertüte muss wesentlich öfter ausgetauscht werden, wodurch sich die Öko-Bilanz verschlechtert.

Eine Tüte aus Kunststoff ist besonders widerstandsfähig und resistent gegen Flüssigkeiten, mechanische Einflüsse oder Witterungen. Plastiktüten können demnach öfters benutzt werden, bevor sie entsorgt werden müssen. Laut dem Experten für Umweltbewertung von Verpackungen, Benedikt Kauertz müssen Papiertüten, trotz schlechterer Haltbarkeit, mindestens viermal verwendet werden, bevor sie eine geringere Umweltbelastung als eine einmal verwendete Plastiktüten aufweisen. Dies kann sich in vielen Fällen als schwierig darstellen.

Die Recyclingfähigkeit beider Materialien

Recyclinghof

Auch die Recyclingfähigkeit von Papier wirkt sich wesentlich schlechter auf die Öko-Bilanz aus als Kunststoff.

Das kommt durch die Zusätze zustande, die bei der Herstellung beigefügt werden, um der Tüte mehr Stabilität zu verleihen. Die Konsequenz daraus ist, dass ein sehr hoher Energieaufwand erforderlich ist.

Durch diese verstärkten Stoffe kommt es im Endeffekt auch beim Recycling der Papiertüten zu Problemen, da diese Stoffe erst mit einem hohen Aufwand wieder voneinander getrennt werden können.

Nassfestmittel zum Beispiel sorgen dafür, dass Papiertüten sich nicht direkt beim ersten Gebraucht auflösen. Diese Stoffe verhindern jedoch, dass sich die Fasern beim Recycling lösen.

Selbstverständlich gibt es auch Arten von Kunststofftüten, die diesen Prozess ebenfalls erforderlich machen. Das bedeutet: Auch hier müssen die Stoffe erst aufwendig voneinander getrennt werden.

Das trifft dann zu, wenn du es mit einer Plastiktüte zu tun hast, die aus einer Mischung verschiedener Kunststoffe besteht. Allerdings kannst du auch zu Kunststofftüten greifen, die nur eine Sorte Kunststoffe beinhalten, denn diese lassen sich besonders gut recyceln.

Zwischenzeitlich wurden sogar Recyclingverfahren ins Leben gerufen, die aus unbrauchbaren Plastikmaterialien wieder Rohöl produzieren können, was sich positiv auf die Abbaubarkeit und Nachhaltigkeit auswirkt.

In Bezug auf Nachhaltigkeit ist Papier der Gewinner gegenüber dem Material Kunststoff. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Bei Holz handelt es sich um einen nachwachsenden Rohstoff, der sich vollständig zersetzt. Anders sieht es bei Kunststoff aus: Für die Herstellung wird Rohöl benötigt, das stark begrenzt ist. Besonders dramatisch ist außerdem, dass die Zersetzung von Kunststoff Hunderte von Jahren dauern kann. In extremen Fällen sind bis zu 500 Jahre notwendig, bis das Material vollständig verrottet ist. Doch selbst nach dieser Zersetzung bleibt Kunststoff in Form von Mikroplastik zurück und stellt für Mensch und Tier eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.

Welche Variante ist umweltfreundlicher?

Papiertüte und Plastiktüte vor weißem Hintergrund

Wie du oben bereits gelesen hast, zeigen beide Materialien bestimmte Vor- und Nachteile auf. Papierverpackungen sind längst nicht so umweltfreundlich, wie diese oft angepriesen werden.

Laut Bundesweltumweltministerium und NABU sind Papiertüten nicht die bessere Alternative zu Plastiktüten. Allerdings ist es eine Tatsache, dass Papiertüten eher recycelt werden und sich in der in kürzester Zeit in der Umwelt vollständig zersetzen.

Wenn du nachhaltig handeln möchtest und auf die Öko-Bilanz achten willst, sollten Materialien möglichst oft benutzt werden. Das Ziel sollte sein, Mehrwegverpackungen zu nutzen und recycelbare Materialien zu verwenden.

Verwendest du Plastiktüten, achte darauf, dass diese nur aus einer Sorte Kunststoff hergestellt wurden. Damit erhöhst du die Recyclingquote automatisch.

Wir raten zu dem zudem vor Plastiktüten, die als kompostierbar bezeichnet werden, ab. Diese werden meistens aus Stoffen wie Mais, Stärke oder Zuckerrohr produziert. Anders als man bei diesen erwarten würde, zersetzen sie sich aber nicht unbedingt schneller als konventionelle Plastiktüten.

Recyceln ist für die Öko-Bilanz eine bessere Alternative. Kompostierbare Tüten zielen aber darauf ab, nach einmaliger Nutzung entsorgt zu werden, wodurch Ressourcen verschwendet werden. Zudem sollten laut Stephan Kabasci, Experte für Biokunststoffe, diese kompostierbaren Plastiktüten auf keinen Fall in die Umwelt gelangen.

Warum sind Plastiktüten für Obst- und Gemüse noch erlaubt?

Äpfel in einer Obsttüte

Vielleicht stellst du dir die Frage, warum in den Supermärkten zu Beginn des Jahres 2022 alle Plastiktüten gesetzlich verboten wurden, mit Ausnahme der kleinen Obst- und Gemüsetüten?

Dies wurde von der alten Bundesregierung beschlossen und ist einerseits auf die Hygiene zurückzuführen, andererseits auf den Konsum von Lebensmitteln. Konkret bedeutet dies: Durch den Einsatz der kleinen Plastiktüten wird Obst und Gemüse hygienisch verpackt.

Auf der anderen Seite wird der Lebensmittelverschwendung vorgebeugt. Ohne die Plastiktüten wären die Konsumenten gezwungen, auf größere Packungen zurückzugreifen. Hier bestünde die Gefahr, dass mehr Lebensmittel gekauft würden als konsumiert wird. Nicht benötigte Lebensmittel wandern damit in der Biotonne.

Durch die Plastiktüten kannst du die Menge an Obst und Gemüse kaufen, die du für deinen Bedarf auch wirklich benötigst. Einer Lebensmittelverschwendung wird vorgebeugt. Schlussendlich sollte ein mögliches Verbot von kleinen Plastiktüten auch nicht dazu führen, dass noch mehr Lebensmittel in Plastik verpackt werden.

Möchtest du auch in diesem Punkt umweltfreundlich handeln, wäre die beste Alternative, auf Stoffbeutel zurückzugreifen. Diese kannst du direkt im Supermarkt erwerben und bei jedem Einkauf erneut einsetzen. Damit sparst du sowohl Papier als auch Plastik. Ebenfalls erlaubt sind Kunststofftüten, die eine Wandstärke von 50 oder mehr als 50 Mikrometern aufweisen. Sie punkten besonders in Bezug auf Stabilität und sind laut Bundesumweltministerium deshalb als Mehrwegtaschen einsetzbar.

Unsere Einstellung zu Papier und Plastik

Schnipsel aus Pappe

Beim Landkorb achten wir sehr auf Nachhaltigkeit und bemühen uns, regional und saisonal zu denken. Wenn es um die Frage geht, welche Materialien wir für unsere Produkte verwenden, denken wir nicht nur an die Umweltbilanz, sondern auch daran, ob das Material recyclebar oder wiederverwendbar ist.

Papier und Kartonage Reste, die wir durch Lieferungen von Großhändlern erhalten, benutzen wir, beispielsweise in zerkleinerter Form, um die Lieferung per Paket extra zu isolieren. Zudem gibt es bei uns die Option, deinen Landkorb unverpackt zu bestellen. Dadurch erhältst du diesen mit weniger Papier und Verpackungsmaterial.

Alternativ bieten wir auch ein großes Sortiment an Produkten in Einweggläsern und innovativ nachhaltiger Verpackung an.

Fazit

Kunststofftüten, die eine Wandstärke unter 50 Mikrometer besitzen, sind seit Anfang des Jahres 2022 verboten. Ausgenommen von dieser Regelung sind kleine Plastiktüten für den Transport von Obst, Gemüse und Frischwaren.

Tüten aus Papier sind nicht unbedingt die bessere Alternative in Bezug auf die Öko-Bilanz.

Möchtest du einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, solltest du auf recycelbare Materialien und Mehrwegverpackungen achten.

Kommen Plastiktüten zum Einsatz, achte darauf, dass diese nur aus einer Sorte Kunststoff produziert worden sind.

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