Welche Bio-Siegel gibt es in Deutschland: Einfach erklärt

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Autor: Pascal Harting

Wolltest du schon immer einmal wissen, welche Bio-Siegel Deutschland hat und was ihre Anforderungen sind? Wir haben die wichtigsten Informationen für dich zusammengetragen.

In Deutschland gibt es mehrere Bio-Siegel, die darauf hinweisen, dass ein Produkt Bio-zertifiziert ist. Zu den bekanntesten Siegeln gehören das EU-Bio-Logo, das Naturland-Siegel, das Bioland-Siegel und das Demeter-Siegel. Produkte, die diese Siegel tragen, wurden nach strengen Bio-Richtlinien hergestellt und geben dem Verbraucher die Sicherheit, dass er ein Bio-Produkt kauft.

EU-Bio-Siegel

Bio Siegel Deutschland

Das EU-Bio-Siegel ist das am weitesten verbreitete Bio-Siegel in Deutschland. Das Siegel ist weiß und grün. Es hat ein blattförmiges Logo, welches aus Sternen besteht in der Mitte. Produkte, die dieses Siegel tragen, erfüllen nachweislich die EU-Bio-Richtlinien, die zu den strengsten der Welt gehören.

Seitdem das EU-Bio-Siegel 2001 eingeführt wurde, wurden mehr als 95000 Produkte von tausenden unterschiedlichen Unternehmen zertifiziert.

Voraussetzungen

Bio-Produkte müssen sich von einer zugelassenen Kontrollstelle bescheinigen lassen, dass sie biologisch hergestellt wurden. Das bedeutet, dass die Zutaten, die Produktion, die Verarbeitung, der Transport und die Lagerung strengen Bedingungen genügen müssen.

Das Bio-Logo darf nur auf Produkten benutzt werden, die zu 95 % aus Bio-Zutaten bestehen und weitere Anforderungen erfüllen. Auch für die anderen 5 % müssen strenge Vorgaben erfüllt werden. Zudem darf ein und dieselbe Zutat nicht gleichzeitig in ökologischer und nicht ökologischer Form enthalten sein.

Öko-Landbauern müssen, um das EU-Bio-Siegel zu erhalten, folgende Bedingungen erfüllen:

  • grundsätzlicher Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
  • Verzicht auf leicht lösliche mineralische Düngemittel
  • artgerechte Tierhaltung
  • Boden, Wasser und Luft schützen
  • Artenvielfalt erhalten
  • Kreislaufwirtschaft mit geschlossenen Nährstoffzyklen anstreben
  • Verzicht auf Gentechnik

Kontrollen

In jedem Land der Europäischen Union gibt es eine andere Behörde, die dafür zuständig ist, die Einhaltung der Bio-Gesetze zu überwachen. Diese Behörde ist in der Regel entweder das Landwirtschaftsministerium oder das Gesundheitsministerium.

Bevor Landwirte, Verarbeiter oder Händler ihre Produkte als ökologisch bezeichnen dürfen, müssen sie sich einer Kontrolle durch eine Kontrollstelle oder Kontrollbehörde unterziehen. Fällt diese Kontrolle positiv aus, erhalten sie ein Zertifikat, das bestätigt, dass sie die EU-Anforderungen erfüllen.

Landwirte müssen viele verschiedene Vorschriften zum Schutz der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen einhalten. Diese Vorschriften sind sektorspezifisch, d. h. sie variieren je nach Art der Landwirtschaft.

Jedes Jahr erstatten die EU-Länder der Europäischen Kommission Bericht darüber, wie gut sie bei den Kontrollen der Biobetriebe abgeschnitten haben und welche Art von Strafen gegen Personen verhängt wurden, die gegen die Vorschriften verstoßen haben.

Naturland

Naturland Siegel

Das Naturland-Siegel ist eine weitere bekannte Bio-Zertifizierung in Deutschland. Das Siegel ist ein grün-weißes Logo mit dem Bild einer Pflanze in der Mitte. Produkte, die dieses Siegel tragen, wurden von Naturland zertifiziert, einer unabhängigen Zertifizierungsstelle, die die Richtlinien für die ökologische Erzeugung überwacht.

Naturland wurde 1982 gegründet. Seit dem haben sich über 100000 Bäuerinnen und Bauern zusammengeschlossen.

Voraussetzungen

Allen Naturland Richtlinien liegt ein ganzheitlicher Ansatz zugrunde: nachhaltiges Wirtschaften, Natur- und Klimaschutz, Schutz von Biodiversität, Boden, Luft und Wasser sowie Verbraucherschutz.

Naturland hebt sich durch seine hohen Standards und seine Zertifizierung von den gesetzlichen Mindeststandards ab. Erzeuger und Verarbeiter, die mit Naturland zusammenarbeiten, verpflichten sich zur Einhaltung der hohen Richtlinien, um den ökologischen Landbau konsequent weiterzuentwickeln.

Naturland Richtlinien decken auch Bereiche ab, die nicht in der EU-Öko-Verordnung geregelt sind, wie z.B. die ökologische Nutzung von Wäldern, die Textil- und Kosmetikproduktion oder soziale Aspekte über die Sozialrichtlinien.

Einige Anforderungen, die Naturland zertifizierte Landwirte erfüllen müssen, sind:

  • stark beschränkte Mengen an Düngemitteln
  • Auslauf für Legehennen und Milchvieh
  • nur 22 zugelassene Zusatzstoffe
  • mehr Fläche für Geflügel und Schweine
  • Betrieb muss sich komplett auf Bio umstellen

Kontrollen

Naturland Vertreter besuchen und kontrollieren die Betriebe mindestens einmal im Jahr, um sich von der Einhaltung der Richtlinien zu überzeugen. Diese Kontrollen können angemeldet und unangemeldet stattfinden.

Wenn ein Landwirt das Naturland Zeichen auf seinen Produkten verwenden möchte, muss er von Naturland zertifiziert sein. Das Siegel wird jedes Jahr neu ausgestellt.

Ob man verifiziert wird, entscheidet letztendlich eine Anerkennungskommission, die den Inspektionsbericht auswertet.

Bei Verstößen gegen die Richtlinien werden Sanktionen gemäß dem Naturland Sanktionskatalog verhängt. Diese können von Hinweisen bis hin zu Verwarnungen und bei schwerwiegenden Verstößen bis zum Entzug des Siegels und Ausschluss des Betriebes reichen.

Naturland bietet Landwirten auch die Möglichkeit, ihren Betrieb zusätzlich zum Naturland Zeichen nach dem GAP Standard kontrollieren und zertifizieren zu lassen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Zertifizierung für Landwirte, die nachweisen wollen, dass sie die internationalen Standards für gute landwirtschaftliche Praxis erfüllen.

Bioland

Naturland Siegel

Die Bioland-Zertifizierung ist eine weitere bekannte Bio-Zertifizierung in Deutschland. Das Logo ist ein grünes Quadrat mit dem Schriftzug „Bioland“.

Bioland wurde 1971 gegründet und ist heute eins der größten Biosiegel in Deutschland mit über 10000 Mitgliedern.

Voraussetzungen

Das Ziel des Bioland-Verbands ist es, die Lebensgrundlage auf der Erde zu bewahren. Bioland erstrebt deswegen eine vollständige Neugestaltung der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Dazu haben sie strenge ökologische Kriterien, Maßstäbe und Lösungen entwickelt.

Bioland ist der größte ökologische Anbauverband in Deutschland. Fast die Hälfte aller für Bio-Landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland werden von ihren Höfen benutzt.

Regionalität ist ein sehr wichtiger Punkt, daher gibt es den Bioland-Verband ausschließlich in Deutschland und Südtirol.

Die Bioland-Richtlinien für den ökologischen Landbau orientieren sich an der EU-Öko-Verordnung und gehen in vielen Punkten über die Mindestanforderungen hinaus. So ist zum Beispiel der Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln komplett verboten und die Landwirte dürfen nur zugelassene Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung einsetzen.

Um die Richtlinien besser zu verstehen hat Bioland 7 Prinzipen definiert, welche diese abbilden und zu verstehen geben, wie sie sich eine bessere Zukunft vorstellen.

Hier sind die 7 Prinzipien, nach welchen Bioland-zertifizierte Betriebe arbeiten:

  1. Im Kreislauf Wirtschaften
  2. Bodenfruchtbarkeit fördern
  3. Tiere artgerecht halten
  4. Wertvolle Lebensmittel erzeugen
  5. Biologische Vielfalt fördern
  6. Natürliche Lebensgrundlagen bewahren
  7. Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern

Kontrollen

Für Bioland-Partner gelten spezielle Richtlinien. Die Bioland-Richtlinien werden alle paar Jahre von einer Expertenkommission überarbeitet, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen zu können.

Im Auftrag von Bioland findet mindestens einmal im Jahr eine Kontrolle durch einen Kontrollbeauftragten statt, welcher unabhängig und fachlich kompetent sein muss.

Abmahnungen und Sanktionen werden jährlich mithelfe der Sanktionskatalog von einer Anerkennungskommission entschieden.

Demeter

Demeter Siegel

Das Demeter-Logo ist ein weißer Schriftzug auf orangem Hintergrund. Darunter ist ein grüner Strich.

Den ältesten Bio-Anbauverband, Demeter, gibt es seit 1924. Dieser zählt mehr als 3200 Betriebe zu sich. Der Name Demeter leitet sich von der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus ab.

Voraussetzungen

Demeter setzt auf eine lebendige Kreislaufwirtschaft, welche laut eigenen Angaben die nachhaltigste Form der Landbewirtschaftung ist. Hierbei geht es um konsequent ökologische Lebensmittel, die im Einklang mit der Natur stehen.

Um dies zu gewährleisten, stützen sich die Demeter-Betriebe auf vier Säulen: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, Vielfalt statt Gentechnik, natürlicher Genuss und soziales Miteinander.

Um eine Demeter-Anerkennung zu erhalten, müssen Betriebe die in den Richtlinien festgelegten Mindestanforderungen erfüllen. Hier sind einige Beispiele:

  • 100 % Biofutter
  • Verbot der Enthornung von Rind
  • Auslauf für Legehennen und Rinder
  • Eingeschränkte Verwendung von Düngemitteln
  • Förderung hofeigener Pflanzenarten
  • mindestens 10 % der Fläche als Biodiversitätsfläche

Kontrollen

Auch bei Erzeugern von Demeter Produkten finden Kontrollen regelmäßig an und unangekündigt statt. Diese werden von staatlich anerkannten und unabhängigen Kontrollstellen durchgeführt.

Sollten Verstöße gegen die Richtlinien bei der Kontrolle festgestellt werden, kann die Zertifizierung entzogen werden.

Demeter geht es bei den Kontrollen hauptsächlich um die Genauigkeit und nicht um die Häufigkeit. Dabei ist ihnen eine risikoorientierte, statt flächendeckende Kontrolle wichtig.

Biokreis

Biokreis Siegel

Der Biokreis ist eine Gruppe von Menschen aus der Landwirtschaft, Imkerei, Verarbeitung und Handel, die sich seit 1979 für eine regional bäuerliche Landwirtschaft einsetzen. Die Gruppe hat derzeit etwa 1200 Mitglieder und ist in Bayern beheimatet.

Der Name Biokreis setzt sich aus den Wörtern „biologisch“ und „Kreis“ zusammen. Dies symbolisiert den Kreislaufgedanken ihrer Arbeit.

Voraussetzungen

Biokreis hat sich den Schutz der Artenvielfalt, den Klimaschutz und die gesunde Ernährung zum Ziel gesetzt. Dies geschieht durch die Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus, um die natürlichen Ressourcen für zukünftige Generationen zu erhalten!

Um diese Ziele zu erreichen, hat Biokreis die folgenden Grundsätze entwickelt:

  • Versorgung der landwirtschaftlichen Nutztiere mit hofeigenen Futtermitteln
  • Aufbau einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit
  • Düngung nur mit eigenem organischem Material
  • tiergerechte Haltung und artgerechte Betreuung
  • Sozial- und Arbeitsrecht muss für alle auf Biokreis Betrieben beschäftigte Menschen gelten

Kontrollen

Nach den Richtlinien der Europäischen Union und der Verbände für den ökologischen Landbau wird von unabhängigen Kontrollstellen mindestens einmal im Jahr eine Kontrolle durchgeführt.

Werden bei der Kontrolle Verstöße gegen die Normen festgestellt, kann die Zertifizierung entzogen werden.

Biopark

Biopark ökologischer Landbau Siegel

Biopark ist ein ökologischer Anbauverband, der 1991 gegründet wurde und mittlerweile rund 500 Mitglieder hat.

Mehr als 300 Biopark-Betriebe findet man in Naturschutzgebieten. Damit zeigen sie, dass Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können.

Voraussetzungen

Biopark e. V. hat der sich dem Umweltschutz und dem ökologischen Landbau verschrieben. Bei all ihren Projekten legen sie hohe Maßstäbe an, um den Lebensraum der Menschen und die Natur zu schonen!

Biopark-Betriebe müssen die grundlegenden Anforderungen des ökologischen Landbaus erfüllen und darüber hinaus weitere Vorgaben einhalten.

Zum Beispiel müssen mindestens 50 % der Fläche für den Anbau von Pflanzen genutzt werden. Diese werden dann auf dem Hof zu Lebensmitteln verarbeitet oder direkt an die Verbraucher verkauft.

Die Tierhaltung basiert auf einer artgerechten Haltung und Fütterung. Diese bedeutet u. a., dass die Tiere Zugang zur freien Natur haben.

Diese Liste gibt einen Einblick in die Richtlinien von Biopark:

  • Gesamtbetriebsumstellung auf Bio
  • Strikte Vorgaben zu Pflanzenschutz- und Düngemittel
  • Weidegang und betriebseigenes Futter für Nutztiere
  • nachhaltige Nutzung von Boden und Wasser

Kontrollen

Auch bei Biopark Mitgliedern gibt es regelmäßige Inspektionen durch unabhängige und staatlich anerkannte Kontrollstellen. Diese finden mindestens einmal jährlich statt und konzentrieren sich auf die Einhaltung der Richtlinien.

Zudem gibt es klare Richtlinien und Aufforderungen für die aktive Selbstkontrolle.

Werden bei der Kontrolle Verstöße gegen die Standards festgestellt, kann es zu Sanktionen kommen.

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